Viele Studien belegen, dass die große Mehrheit der Reisenden nachhaltiger reisen will, aber, und auch das belegen die Studien, nur wenige tun es. In der Wissenschaft ist dieses Phänomen unter dem Begriff „Attitude-Behaviour-Gap“ bekannt. Wir sind mit FairWeg angetreten, um einen Beitrag zu leisten, dass sich diese „Lücke“ bald verringert. Allerdings gibt es auch viele, oftmals kleine Dinge, mit denen jeder von uns seine Reise noch nachhaltiger gestalten kann. Dabei geht es auch nicht nur um die ökologischen, sondern auch um die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen.

Die Auswahl des Reiseziels

Keine Frage, Mallorca ist eine wunderschöne Insel. Aus diesem Grund besuchen, wenn nicht gerade ein Virus dazwischen kommt, auch jedes Jahr viele Millionen Touristen die Insel. Allein im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es fast 14 Millionen. Für eine Insel mit überschaubarer Größe, auf der Wasserknappheit herrscht und die über 80 % ihrer Lebensmittel importieren muss, ist das leider viel zu viel. Ähnlich sieht es auf der Nachbarinsel Ibiza aus und auch das kleine Formentera ist mittlerweile kein Geheimtipp mehr.

Es gibt weitere Beispiele für diesen sogenannten „Over-Tourism“, also die Überlastung von einzelnen Reisezielen durch uns Reisende. Man denke nur an Venedig, Barcelona oder Lissabon. Dass es sich dabei um attraktive Ziele handelt, steht außer Frage. Allerdings kann es sicher nicht schaden, wenn du dich einer Reise zu einem dieser Hotspots fragst, was die Destination und auch du persönlich davon hast, sich den anderen 5, 10 oder 14 Millionen Besuchern anzuschließen. Vielleicht ist es sogar eine bessere Idee, einfach mal etwas Neues zu entdecken und nicht der Masse zu folgen, oder diese Orte in der Nebensaison für sich zu entdecken.

Die Auswahl der Unterkunft

Ob ein Hotel einen Föhn im Zimmer anbietet, oder die Ferienwohnung einen Flatscreen-Fernseher hat, kann man bei der Recherche für die nächste Reise leicht herausfinden. Schwieriger wird es, wenn man wissen will, ob es erneuerbare Energien nutzt oder der Müll getrennt wird. Wir arbeiten bereits daran, diese Informationen zur Nachhaltigkeit für viele Hotels weltweit sichtbar zu machen. Darüber hinaus bieten Zertifikate eine gute Möglichkeit, eine Vorauswahl zu treffen. Es gibt aber bereits ohne all dies einige einfache Möglichkeiten, wie man bei der Wahl seiner Unterkunft die Nachhaltigkeit einer Reise erhöhen kann.

Um die lokale Umwelt und die Wirtschaft zu unterstützen, könnte es beispielsweise sinnvoll sein, anstelle des großen All-Inclusive Hotels einer internationalen Kette das kleinere, familiengeführte Hotel nebenan zu wählen.

Auch die Lage der Unterkunft hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Nachhaltigkeit. Kurze Wege, die man zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt, sind auch im Urlaub besser für die Umwelt. Wenn du dann noch Cafés, Restaurants und Geschäfte in der Umgebung aufsuchst, profitiert neben der Umwelt auch die lokale Wirtschaft.

Die Wahl der Verpflegungsleistung

Hast du dich für eine Unterkunft entschieden, folgt in der Regel die Frage nach der Verpflegung vor Ort. All-Inclusive scheint zunächst praktisch zu sein, denn man muss sich um nichts mehr kümmern. Wenn dein Hotel in einer entlegenen Region liegt, und das nächste Restaurant weit entfernt ist, kann so ein Angebot in Einzelfällen auch sinnvoll sein. In den meisten Fällen lohnt es sich aber sowohl für die lokale Wirtschaft als auch für dich, nicht alles aus einer Hand zu beziehen.

Denn das Essen in der authentischen griechischen Taverne am kleinen Fischerhafen wird dir wahrscheinlich nachhaltiger in Erinnerung bleiben als das Buffet im Hotel. Für das entspannte Frühstück im schönen Café auf der Plaza gilt wahrscheinlich das Gleiche. Noch dazu kannst du jeden Tag neu entscheiden, wann und wo du isst. Eine Unterkunft ohne Verpflegung zu buchen, kann also die deutlich flexiblere und nachhaltigere Variante sein.

Die Anreise

Beim Thema Anreise gilt der Flug als größter Feind der Nachhaltigkeit. Dies ist auch berechtigt, wenn man sich die Klimawirkung eines Fluges anschaut. So produziert allein ein Flug auf die Kanaren pro Strecke und Fluggast rund 500 kg CO₂. Bedenkt man, dass das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen* bei ca. 1.500 kg pro Jahr liegt, hat man also 2/3 davon mit einer Reise auf die Kanaren verbraucht.

Um die Umweltbilanz deiner Reise auszugleichen, gibt es die Möglichkeit der CO₂ Kompensation. Wir werden darauf in Kürze in einem ausführlichen Beitrag eingehen. Im Wesentlichen geht es aber darum, mit einem entsprechenden Beitrag die Entstehung von CO₂ an anderer Stelle zu verhindern.

Klar ist aber auch, dass die Kompensation nicht ausreicht, um den Klimawandel aufzuhalten. Hierfür müssen wir uns entweder an verschiedenen Stellen einschränken, oder aber neue klimafreundliche Technologien entwickeln. Auf einen Flug zu verzichten, ist daher im Zweifelsfall die bessere Wahl. Abgesehen davon ist es wesentlich klimafreundlicher mit der Bahn zu reisen, wenn dies möglich ist. Dies gilt nicht nur für innerdeutsche Strecken, denn auch für beliebte Städteziele wie Amsterdam, Paris oder Wien gibt es sehr gute Anbindungen.

Die Bahn sollte übrigens auch die erste Wahl bei der Anreise zum Flughafen sein. Allein durch diesen Verzicht auf das Auto, dass beim Verbrauch pro Kopf im Vergleich zum Flugzeug sogar schlechter abschneiden kann, wird die Klimabilanz deiner Reise verbessert. Bei Pauschalreisen sind übrigens häufig Bahntickets für die Fahrt zum und vom Flughafen enthalten. Diese gelten in der Regel übrigens, genau wie Flugtickets und Hotelbestätigungen, in digitaler Form. Somit kannst du darauf verzichten, sie auszudrucken, um nachhaltiger zu reisen.

Vor Ort

Zur Anreise gehört vor Ort in der Regel noch der Weg zur Unterkunft. Ideal ist es aus nachhaltiger Sicht, wenn du für dieses letzte Teilstück öffentliche Verkehrsmittel nutzen kannst. Gerade bei Städtereisen ist es häufig nicht nur die günstigste, sondern auch die schnellste Wahl. Bevor du dich für einen Mietwagen entscheidest, überlege, was du damit vorhast. Klar, auf den Kanaren gibt es einige Schotterpisten. Einen SUV braucht man deswegen wahrscheinlich trotzdem nicht.

Generell gilt, je kleiner, desto besser, denn das spart nicht nur Geld, sondern auch Benzin. Noch besser wird die Bilanz natürlich, wenn du deinen Urlaubsort zu Fuß oder mit dem Rad erkundest. Viele Unterkünfte bieten mittlerweile Leihfahrräder an und dies häufig sogar kostenlos.

Eine Sache, die in deinem Reisegepäck nicht fehlen sollte, ist ein Einkaufsbeutel, wie du ihn zuhause wahrscheinlich auch nutzt. Es mag sich wiederum nach einer Kleinigkeit anhören, die Auswirkung auf die Umwelt ist aber auch hier nicht zu unterschätzen. Denn in vielen Regionen führen vor allen Dingen Plastiktüten zu großen, vermeidbaren Umweltproblemen. Deshalb ist es doch nur konsequent, sie auch im Urlaub nicht zu akzeptieren.

Dass es ein Plastikproblem gibt, wird im Unterschied zum Klimawandel kaum jemand leugnen. Denn selbst an den aubersten Stränden ist es  sichtbar. Sammele doch einfach mal auf deinem nächsten Strandspaziergang alle Plastikteilchen ein, die du währenddessen siehst. Du wirst überrascht sein, wie viel zusammen kommt. Vielleicht gewöhnst du dir ja sogar an, diese Form des „Beach-Cleanings“ beizubehalten.

Die Nachhaltigkeit deiner Reise kannst du auch durch dein Einkaufsverhalten verbessern. Vielen Menschen ist es zunehmend wichtig, regional, saisonal, fair und in Bioqualität einzukaufen. Es gibt eigentlich keinen Grund, diesen Ansatz im Urlaub nicht zu verfolgen. Im Gegenteil, je mehr du während deiner Reise darauf achtest, was du wo einkaufst, desto mehr wird die lokale Wirtschaft davon profitieren. 

Im Hotel

In den meisten Hotels wirst du dich um die Reinigung deines Zimmers nicht kümmern müssen. Je weniger du aber Handtücher und Bettwäsche wechseln lässt, desto weniger Waschmittel und Wasser wird verbraucht. Zuhause macht man dies in der Regel ja auch nicht täglich.

Einzeln verpackte Hygieneprodukte im Bad sind praktisch, aber nicht mehr zeitgemäß. Dies stellen zum Glück immer mehr Unterkünfte fest. Nutze stattdessen lieber deine mitgebrachten Artikel, bei denen du es selber in der Hand hast, wie nachhaltig sie sind. Dies gilt übrigens auch für Sonnencremes. Viele der klassischen Cremes sind zwar wasserfest, was aber nicht zwangsläufig „gut für das Wasser“ bedeutet. Es gibt mittlerweile aber auch in Drogerien Cremes, die beides sind.

Die Menschen, die dein Zimmer jeden Tag herrichten, gehören wahrscheinlich nicht zu den Topverdienern. Viele Reisende lassen daher am Ende ihres Aufenthalts ein Trinkgeld im Zimmer. Wahrscheinlich ist es aber fairer, jeden Tag zumindest einen kleineren Betrag zu geben. Dadurch bekommt nämlich jede und nicht nur die letzte Person, die das Zimmer reinigt, eine Anerkennung. Auch dies ist nur ein kleiner Beitrag zur sozialen Nachhaltigkeit, machen es aber viele Reisende, wird der Effekt schon deutlich größer.

Zum Reinigungsservice gehört natürlich auch das Leeren des Abfalleimers. Um es möglichst einfach zu halten, verzichten viele Hotels noch auf eine Mülltrennung. In vielen Urlaubsregionen ist es aber trotzdem möglich Glas, Metall, Plastik oder Papier getrennt voneinander zu entsorgen. Achte also in der Umgebung deiner Unterkunft auf entsprechende Möglichkeiten und nutze sie.

Noch besser ist es aber natürlich, Müll zu vermeiden. Die Nespressomaschine im Zimmer mag bequem und der Kaffee vielleicht nicht schlecht sein. Für die Umwelt ist er es aber auf jeden Fall. Vielleicht bietet deine Unterkunft dir eine Alternative? Oder du erfreust das Café um die Ecke mit regelmäßigen Besuchen. Dort sind sicher auch Mehrwegbecher willkommen, die im Reisegepäck nicht viel Platz benötigen, deinem Reiseziel aber viel Müll ersparen.

Ein kurzes Fazit

Vielleicht sind in diesem Artikel nicht die „verrückten Hacks“ enthalten, die du erwartet hättest. Stattdessen gibt es ganz einfache Vorschläge, die jeder von uns auf seinen Reisen umsetzen kann, um sie ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltiger zu gestalten. Es mag zwar eine Phrase sein, dass es häufig die kleinen Dinge sind, die den Unterschied ausmachen. Denn, und das ist ebenfalls eine Phrase, wenn wir alle unser Verhalten nur ein wenig verändern, können wir einiges erreichen. Auch wenn es vielfach zitierte Sätze sind, ist das Schöne an diesen beiden Aussagen aber, dass sie stimmen!

 

* Laut verschiedener Studien liegt der klimaverträgliche CO₂ Jahresverbrauch bei 1,5 t pro Mensch, wenn das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5° bis 2050 zu beschränken, erreicht werden soll.