In letzter Zeit fällt immer häufiger der Begriff CO₂-Kompensation, wenn es um das Thema Fliegen geht. Gleichzeitig gibt es auch zunehmend kritische Stimmen zu dem Thema. Es ist hier beispielsweise von Ablasshandel und Greenwashing die Rede.

Das ist zunächst mal eine gute Entwicklung, denn so erhält diese Form des Ausgleichs von Emissionen mehr Aufmerksamkeit. Negativ ist daran, dass einige Leute nur die Überschriften der Beiträge dazu lesen. Gerne werden in den Artikeln dann auch Dinge, die eigentlich eine getrennte Betrachtung verdienen, in einen Topf geworfen.

Nicht überraschend gehen die Meinungen über den Sinn eines solchen Ausgleichs daher auch weit auseinander. Einige Stimmen sehen die CO₂-Kompensation sogar kritisch oder lehnen sie grundsätzlich ab. Dies gilt natürlich für die Seite der Klimawandelleugner, aber etwas überraschend auch für einige Klimaschützer.

Die Argumente der ersten Gruppe sind recht schnell zusammengefasst, denn wenn es keinen Klimawandel gibt, ist auch die Kompensation klimaschädlicher Emissionen überflüssig. Es gibt aber eben auch differenziertere Kritik, die sicherlich auch in einigen Punkten berechtigt ist.

Höchste Zeit also, sich mit dem Thema CO₂ Kompensation im FairWeg Blog auseinanderzusetzen. Schließlich reden wir auf unserem Reiseportal ja auch ständig davon und wir bieten die Kompensation bei jeder gebuchten Reise, die einen Flug enthält, automatisch mit an.

Bäume pflanzen als CO₂-Kompensation – eine gute Idee?

Der Shell Konzern hat unlängst mit dem Slogan „Mache einen Unterschied, fahre CO₂-neutral.“ die Debatte über die CO₂-Kompensationen befeuert. Kurz zusammengefasst soll man, indem man beim Tanken einen Zusatzbetrag von 1,1 Cent pro Liter zahlt, CO₂-neutral fahren. Das zusätzlich gezahlte Geld fließt nämlich in Aufforstungsprojekte.

Wir wollen hier nicht zu tief in die Debatte einsteigen, aber auf die grundsätzlichen Probleme hinweisen. Zunächst einmal geht es bei der CO₂-Kompensation darum, nicht vermeidbare Emissionen auszugleichen. An erster Stelle stehen also immer der Verzicht oder die Nutzung von klimafreundlichen Alternativen. Sie soll eben kein Freifahrtschein für ein „weiter so wie bisher“ sein. Genau dies suggeriert aber die Shell Kampagne. Dass es vielleicht besser wäre, das Auto häufiger stehenzulassen und z.B. das Fahrrad oder die Bahn zu nehmen, verschweigt sie.

Abgesehen davon ist das Thema Bäume pflanzen für eine Kompensation durchaus umstritten. Bäume sparen bekanntermaßen CO₂ ein und sie sind somit sehr wichtig im Kampf gegen den Klimawandel. Aufforstungsprojekte sind somit durchaus sinnvoll. Allerdings dauert es sehr lange, bis neu gepflanzte Bäume einen Beitrag zur Senkung der Emissionen leisten.

Es ist auch nicht gesichert, dass sie dies langfristig tun, denn es kann in der Zwischenzeit viel passieren (Brände, Schädlingsbefall, illegale Abholzung etc.). Aufforstungsprojekte sind daher eher ungeeignet für die Kompensation jetzt anfallender Emissionen. Abgesehen davon bedürfen sie sehr genauer Richtlinien und Kontrollen.

Es gäbe noch viele weitere Punkte, die man in diesem Zusammenhang anführen könnte. Festhalten können wir aber, dass die Kritik in einigen Punkten berechtigt ist. Die meisten Anbieter von CO₂-Kompensationen verzichten daher auf solche Maßnahmen oder setzen sie nur ein, wenn mit der Aufforstung weiterer Nutzen verbunden ist (z.B. Schutz vor Überschwemmungen).

Zusammengefasst geht es bei der Kompensation also darum, die entstandenen, unvermeidbaren Emissionen durch Maßnahmen, die möglichst zeitnah wirken und deren Nutzen wissenschaftlich belegt ist, auszugleichen.

Wie kompensiere ich die Emissionen meines Fluges sinnvoll?

Schauen wir uns also die CO₂-Kompensation bei Flugreisen genauer an. Zunächst einmal steht auch hier die Frage nach der Unvermeidbarkeit. Diese muss jeder von uns Reisenden für sich selber anhand der Optionen Verzicht und Nutzung von Alternativen abwägen. Ist es beispielsweise unvermeidbar, dass man für ein Shopping-Wochenende in New York in den Flieger steigt? Und bietet die Bahn tatsächlich keine bequeme Alternative zum Flug von Frankfurt nach Berlin?

Schließt man Flugreisen nach diesem Abwägungsprozess nicht grundsätzlich aus, bietet die CO₂-Kompensation die Möglichkeit zum Ausgleich. Dabei geht es übrigens nicht nur um das CO₂, sondern um den Ausgleich der gesamten Klimawirkung. Neben CO₂ entstehen nämlich weitere Schadstoffe (Non-CO₂-Effekte).

Das Ziel einer sinnvollen Kompensation muss daher sein, die gesamte Klimawirkung des Fluges durch eine Einsparung klimaschädlicher Emissionen auszugleichen. Dafür wird zunächst die Klimawirkung möglichst genau berechnet. Die Basis für diese Berechnung bilden anerkannte klimawissenschaftliche Erkenntnisse zusammen mit Daten aus dem Flugverkehr und dem Flugzeugbau.

Mithilfe dieser Daten lässt sich die Klimawirkung jedes Fluges pro Passagier ermitteln. Klimaschutzorganisationen wie atmosfair, deren Kompensationsrechner wir bei FairWeg nutzen, führen diese Berechnungen durch. atmosfair kalkuliert gleichzeitig auch die Kosten für einen entsprechender Ausgleich.

Diese freiwillig von Reisenden gezahlten Beträge fließen in konkrete, nachhaltige Energieprojekte weltweit. Im Falle von atmosfair überwacht die Organisation auch die Umsetzung vor Ort. Zusätzlich werden regelmäßig unabhängigen Prüfungen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die höchsten internationalen Standards erfüllt werden. Dies gilt insbesondere beim Thema Transparenz.

Eine sinnvolle CO₂-Kompensation von Flügen schafft einen Zusatznutzen

Es geht bei seriösen Anbietern also um die Umsetzung konkreter Maßnahmen und nicht um den Kauf von CO₂-Zertifikaten, deren Handel berechtigterweise in der Kritik steht. Im Vordergrund steht dabei die Schaffung eines Zusatznutzens. Damit ist gemeint, dass die geförderten Projekte dazu beitragen, etwas zu realisieren, was sonst nicht entstanden wäre.

Ein Windpark in Norddeutschland, der mit Fördermitteln unterstützt wird und von der EEG-Umlage profitiert, fällt beispielsweise nicht in diese Kategorie. Er würde nämlich sehr sicher auch ohne die Spenden von Flugreisenden gebaut werden. Somit würde der Beitrag, den man mit seiner Spende leistet, für keine zusätzliche Reduzierung von klimaschädlichen Emissionen sorgen.

Anders sieht es allerdings aus, wenn man mit dem Beitrag beispielsweise  kleine Biogasanlagen in Nepal baut. Diese werden statt mit Holz aus den umliegenden Wäldern, mit Dung betrieben und sorgen damit nicht nur für CO₂ Einsparungen, sondern auch für die Bewahrung der bedrohten Natur. Es wird also ein Zusatznutzen geschaffen, denn das Projekt wäre ohne die Beträge aus der CO₂-Kompensation nicht realisiert worden.

Der entscheidende Unterschied zum Ablasshandel

Die CO₂-Kompensation über einen seriösen Anbieter unterscheidet sich also grundlegend vom gerne zitierten Ablasshandel. Das Geld fließt nämlich nicht in fragwürdige Kanäle, sondern in konkrete Projekte, die nicht nur für das Klima, sondern auch für Menschen in betroffenen Regionen einen Nutzen haben. Die entsprechenden Maßnahmen sind transparent, erfüllen nachvollziehbare Standards und es gibt eine Kontrolle von unabhängiger Seite.

Wenn man bedenkt, dass für die Erreichung der Klimaziele bis 2030 die freiwilligen Maßnahmen um das 15-fache gegenüber 2020 gesteigert werden müssen (Quelle: Taskforce on Scaling Voluntary Carbon Markets), ist die CO₂-Kompensation sicherlich eines der Mittel, die dazu beitragen können, dieses Ziel zu erreichen.

Es gibt also keinen wirklichen Grund, sie für die eigene Flugreise abzulehnen, denn so viel ist sicher: Die CO₂-Kompensation über einen seriösen Anbieter nicht zu machen, solange es keine verfügbaren Alternativen zum Fliegen mit fossilen Brennstoffen gibt, wird die Klimawirkung deiner Reise in keinem Fall verbessern.